Aus der Geschichte

Kiesersche Forstkarte Stuttgart-Stammheim
Quelle: Wikipedia

In vorgeschichtlicher Zeit war die gesamte Fläche Stammheims von einem dichten Netz kleiner Bachläufe überzogen, die alle zum Einzugsgebiet des Feuerbachs gehörten. Die Stammheimer Markung ist, mit wenigen Ausnahmen, von einer mächtigen, fruchtbaren Löss-Schicht bedeckt. Das bedeutet, dass Stammheim in einer außerordentlich siedlungsgünstigen Landschaft liegt, die mit großer Wahrscheinlichkeit kontinuierlich besiedelt war.

Es gibt Fundstellen von Siedlungen aus der mittleren und der Jungsteinzeit. Um 3000 v. Chr. Wohnten Zeitgenossen des Gletschermannes Ötzi in Sieben Morgen und Stammheim-Süd. Zur Keltenzeit um 500 v. Chr. arbeiteten Bewohner von Stammheim-Süd für den Keltenfürsten von Hochdorf. Um 90 n. Chr. kamen die Römer (Funde von zwei römischen Gutshöfen in den Gewannen „Emerholz“ und „Bildäcker“), die um 260 n. Chr. von Alamannen vertrieben wurden. Der Kern des alamannischen Dorfes lag wohl in der Nähe des heutigen Schlosses. Funde sind vom Stammheimer Friedhof bekannt, die darauf schließen lassen, dass dort, wie auch im Gewann „Bildäcker“, ein Reihengräberfeld aus dem 6. Und 7. Jahrhundert n. Chr.  liegt.

Die Endung „-heim“ deutet darauf hin, dass Stammheim seinen Ortsnamen erst nach 700, unter der Frankenherrschaft, erhalten hat. Soweit bekannt, war Stammheim bis um das Jahr 1120 im Besitz der Grafen von Calw und kam dann über die Welfen an die Pfalzgrafen von Tübingen. Die geschichtliche Entwicklung ist eng mit den Herren von Stammheim verbunden, ein Adelsgeschlecht aus Berg bei Cannstatt. Die erste unumstrittene Erwähnung derer von Stammheim stammt vom 20. Juni 1192. Die in Gmünd ausgestellte Urkunde Kaiser Heinrichs VI. bestätigt die Verleihung einer Mühle zu Münster am Neckar an Dietrich von Stammheim. Als Folge des Verfalls des Geschlechts der Grafen von Tübingen kam der Glemsgau, zu dem Stammheim gehörte, 1308 durch Kauf an Graf Eberhard von Württemberg. Für seine Verdienste wurde Konrad II. von Stammheim mit „halb Burg und Dorf Stammheim, einem Hof zu Hegnach und Weinbergen und Gütern zu Fellbach belehnt“. Viele Familienmitglieder derer von Stammheim waren im Kriegshandwerk als Offiziere vertreten oder hatten andere hohe Stellungen inne. Einen „bunten Vogel“ gab es um 1230: einen Minnesänger! Ein Lied von ihm ist in der Manessischen Liederhandschaft (Universitätsbibliothek Heidelberg) aufgezeichnet.

1588 starb das Geschlecht der Ritter von Stammheim aus. Der letzte Namensträger, Hans Wolf von Stammheim, ließ 1579 bis 1581 anstelle seiner alten um etwa 1100 erbauten Wasserburg durch Heinrich Schickhardt 81558 – 1634) – als dessen Erstlingswerk – das heute noch erhaltene Stammheimer Schloss als ein dreiflügliges, nach Osten geöffnetes Gebäude, mit einem Wendeltreppenturn im Hof, bauen. Das Schloss ist nach dem Alten Schloss das älteste in Stuttgart. Heute ist darin ein Altenheim untergebracht. 1595 traten die Schertlin von Burtenbach das Erbe derer von Stammheim an. Der Niedergang dieses Geschlechts und ebenso des Dorfes war sicherlich auch durch den Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) verschuldet.

1737 wurde Stammheim von den Schertlin von Burtenbach an das Herzogtum Württemberg verkauft. Der Ort wurde zum Kammerschreiberei-(Hofkammer-)Gut geschlagen und bildete mit Zazenhausen und dem neuen Wirtshaus das Stabsamt Stammheim. Zwischen 1740 und 1814 hatte die Gemeinde viel unter Einquartierungen und Durchzügen fremder Truppen zu leiden. Die Folgen der Kriege und Hungersnöte waren schließlich Verarmung und Auswanderung.

Die rasche Industrialisierung der umliegenden Orte ließ Stammheim gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Arbeiterwohngemeinde heranwachsen. Am 01. April 1942 wurde Stammheim nach Stuttgart eingemeindet. Heute hat der Stadtbezirk rund 12.500 Einwohner und wird durch ein zusätzliches Neubaugebiet weiter wachsen.

Text: © Stammheimer Bezirksrathaus